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mein mäusewinter

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Heute war Vappu.
Das heisst, als gemeiner Finne geht man am Vorabend mächtig einen saufen, damit man dann am 1.Mai mit seinem Studentenmützchen auf dem Kopf, Luftschlangen um den Hals und Luftballons in den Händen durch die Städte flanieren kann und so tun, als ob der Sommer begonnen hätte. Hannu war der Meinung, wir sollten uns das unbedingt angucken, und so bin ich heute mit Charles nach Jyväskylä gefahren. Mannometer, so viele Leute auf einem Haufen habe ich ja in Finnland noch nie gesehen!!! Zum Glück bin ich im Bus noch auf die Idee gekommen, Hanna anzurufen, ob wir nicht gemeinsam ein bisschen herumlaufen wollen. Und sie hat den ganzen Tag mit uns verbracht! :-)
An Feiertagen gibt es nämlich nur zwei Möglichkeiten, wenn man mit dem Bus nach Jyväskylä und zurück will - entweder man hat 1½h in Jyväskylä oder acht. Gestern waren es dann also acht. In Hannas Gesellschaft und bei strahlendem Sonnenschein aber ziemlich schön. Leider war es immer noch a...kalt und die Sonne nur trügerisch - 5 Grad! *brrrrrr*
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Oh Mann, ich krieg' hier gleich Anfällen! Ich höre wie immer nebenbei am Computer "Radio Mafia". Morgen ist Vappu, das wird hier gefeiert wie Fasching in Deutschland. Und dass die heute in meinem Lieblingsradio nur Nonsens labern, dass verstehe ich auch ohne was zu verstehen. *gleichausrast*
Ich muss jetzt sowieso nochmal raus. Ich habe heute nämlich trotz Wochenende ein paar Mäusetests gemacht, und zwar war ich vor allem "auf der Jagd" nach zwei schwangeren Erdmäusen, von denen aber nur die eine in der Falle war. Und so habe ich gedacht, ich lasse einfach die Fallen zu und fahre ein paar Stunden später nochmal. Nur die eine Maus testen dauert ja auch nicht lange. Da ist das Hin- und Herfahren zeitaufwändiger. Aber heute habe ich mir eine extra Freude gegönnt, ich bin nämlich immer rückzu die alte Strasse gefahren, die parallel zur neuen verläuft und die reinste Achterbahn ist. Ich musste doch den Tommi Mäkinen mal wieder raushängen lassen! ;-)
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Heute bin ich mit Janne nach Lammi gefahren, um Chris und Charles und die 25 Mäuse abzuholen, und es war ein wunderschöner Tag. Den ganzen Tag schien die Sonne, und in Südfinnland war schon richtiger Frühling. Die Wiesen waren grün, in den Wäldern blühten die Buschwindröschen, und die Seen waren alle, alle eisfrei. Den Rückweg durfte ich mir aussuchen, und natürlich habe ich mich für eine ganz kleine, kurvige Strasse am Ufer des Päijänne entschieden. Teilweise hatte ich den Eindruck, die Strasse würde
eher DURCH den Päijänne verlaufen, weil wir ständig rechts UND links von uns Wasser hatten. Mensch, war das toll!
Ausserdem bin ich mir mal wieder richtig finnisch vorgekommen, als ich nämlich mit Jannes Handy telefonierend durch Lammi gelaufen bin. Erst hat mich Jyrki angerufen, weil er was wissen wollte, und dann musste ich Jana anrufen, wie wir das mit den Mäusen machen wollen, die wir mit aus Lammi zurückgebracht haben. Lustig, lustig. Und da ich den ganzen Tag mit Janne finnisch reden musste, sind mir ständig irgendwelche finnischen Ausdrücke rausgerutscht, wenn ich was zu Chris oder Charles gesagt habe. Neenee! ;-)
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Die Erinnerung an den grossen Bus in der kleinen Stationseinfahrt reicht immer noch, um uns beiden ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern und zum hundertsten Mal zu sagen:”Neenee, diese Finnen!”
Genau wie die Tatsache, dass ich heute noch ein Osterei vor meinem Computer gefunden habe, mit einem Zettel von Janne: Schöne Ostern für den “Mäusedoktor”! :-)))
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Ich habe mich doch von Denise breitschlagen lassen, mit nach Lahti zu fahren, und es war doch ganz schön. Zumindest hatten wir beide Tage ganz tolles Draussenrumreisewetter, nämlich Sonne. Gestern war ich so glücklich, mal wieder in einer Stadt zu sein, dass es mich ganz sehr gepackt hat und ich unbedingt ins Kino wollte. Und wir kennen jetzt Julia Roberts' Originalstimme, hihi!
Heute musste ich dann Denises Herzenswunsch erfüllen und mit ihr Schanzengucken gehen. Das ist ja ganz grässlich da rund um die Schanzen –nur Dreck und Baustelle und abgeholzter Wald und überhaupt nicht "finnisch". Aber dass man auf die grösste der drei Schanzen als Aussichtspunkt draufdarf, dass ist natürlich toll. Und dass man sogar hochlaufen durfte und nicht warten musste, bis der hissi aufgemacht wurde, das fand ich natürlich noch toller!
Hinterher sind wir noch zum Hafen gelaufen und haben uns dort 1½h gesonnt. Mensch, war das schön warm!
In Lahti gab's schon kein Krümelchen Schnee mehr, dafür blühten die Krokusse, und die Finninnen liefen mit kurzen Röcken rum.
Auf der Heimfahrt haben wir dann noch was erlebt – neenee! Das glaubt ihr nicht! Wir sind mit dem letzten Bus von Jyväskylä gefahren, der eigentlich in Hytölä endet und nur bei Bedarf bis Konnevesi fährt, und wir zwei waren die einzigen, die nach Konnevesi wollten, und kurz vor dem matkahuolto fragte uns der Fahrer, ob wir zur Uni gehören und abgeholt würden, und als ich ihm gesagt habe, dass wir laufen, hat er nochmal nachgefragt, nach Siikakoski, und dann ist er weitergefahren, und ich dachte, er schmeisst uns unten an der Kreuzung an der nächsten Haltestelle raus, aber, du glaubst es nicht, er hat uns bis direkt auf die Station gefahren! Das gibt's doch nicht, oder?
:-)))
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Heute war ich den ganzen Tag unterwegs.
Heute früh habe ich noch schnell meine ganzen Sachen, die ich nicht mehr brauche, wie Schlittschuhe und Skier :-( zu Olaf ins Auto geladen, der jetzt weiter nach Schweden fährt, und Janne und Jyrki waren auch ein bisschen in Eile, weil sie heute unbedingt nach Jyväskylä mussten. Eigentlich wollten sie das gestern machen, aber aus irgendeinem Grund ging das nur heute, und Risto ist gerade im Urlaub und wie das eben so ist hier... Naja, waren wir also Mäusefangen, und danach ging die ganze Sache eigentlich erst los - ob ich nicht mitfahren wolle nach Jyväskylä? Und da ich wahrscheinlich die ganzen Ostertage hier rumsitzen muss, hab' ich mir gedacht, dass ich mir eigentlich ruhig einen kleinen Ausflug gönnen könnte. So richtig was zu tun hatte ich hier auch nicht, und so... Mit Ostern das ist so: Denise hat sich heute von Olaf nach Kuopio mitnehmen lassen, und ich wollte eigentlich nachkommen, heute Abend oder morgen. Der letzte Bus heute wäre aber schon 16:00 Uhr gefahren, und morgen wäre das der ganz und gar einzige gewesen. Nun hätte es noch die Möglichkeit gegeben, morgen mit dem 16:00 Uhr-Bus zu fahren und bis Samstag zu bleiben, aber das geht wieder wegen Denise nicht, weil sie ja am Samstag schon nach Lahti “muss” zum hyppyrimäki-Gucken. *kopfschüttel* Mal sehen, aber ich glaub' nicht, dass ich Lust habe, nach Lahti zu fahren. Kuopio hätte ich schon eher gewollt. Vielleicht fahre ich nächsten Donnerstag auch sowieso mit Janne nach Lammi, Chris und Charles abholen. Er hat keine Lust, alleine zu fahren, und ich habe eigentlich grosse Lust, ein bisschen herumzufahren. Also...
Na jedenfalls waren wir heute erst um drei wieder hier, ehe in Jyväskylä alles erledigt war, und Mittagspause sowie eine Kaffeepause an Juha Kankunens Tankstelle (der Rallyefahrer, nachdem sogar eine Strasse benannt ist, an der man vorbeikommt, wenn man nach Konnevesi fährt,) gab's natürlich auch. Und überhaupt war's ziemlich lustig, aber das könnt ihr euch ja bestimmt denken.
Auf der Rückfahrt bekam ich dann mal wieder mindestens 10 min lang die Vorteile des finnischen Sommers aufgezählt (in "Stereo" – ich sass vorn im Toyota in der Mitte - und auf Finnisch), und Vidal solle doch herkommen und ich hierbleiben. *seufz*
Naja, und dann waren wir nochmal Mäusefangen, bis halb fünf, und Fische füttern, und zu allem Überfluss ist auch noch was an der Heizanlage kaputtgegangen…
Wenigstens kann ich Janne morgen einmal herkommen ersparen, weil ich Denise vom Bus abholen muss und die zwei Stipendiaten da gleich mitnehmen kann. Und mal wieder Toyota fahren! :-)
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Der Sommer ist da! Naja, fast…
Ich mit meinem neuen skandinavischen Schlafrhythmus war natürlich schon wieder um acht wach. Wach, nicht etwa ausgeschlafen! Aber ich habe mir ganz schnell ein bisschen Frühstück reingeschlungen und bin mit dem Fotoapparat hinausgesprungen – die Sonne hatte sich gerade durch den Morgendunst gekämpft und über dem See hing noch eine dicke Nebelschicht, in der weit draussen noch zwei letzte Eisangler sassen. Alles roch ganz feucht, die Luft war warm, und die Vögel brüllten…
Im Urwald war es auch wunderschön.
Schon auf der Hinfahrt fing es an, total schön zu werden. Als wir nämlich auf die Karte guckten, um den Weg festzulegen, haben Olaf und ich uns spontan für die kleinere Strasse ("unbefestigt, nicht staubfrei") entschieden, und auch wenn sich sein Vater permanent über die "Raserei" seines Sohnes beschwert hat (die übrigens keine war, er ist nur sehr schön “finnisch” gefahren), haben wir anderen drei diese Achterbahn ausnehmend genossen! :-)
Ansonsten waren überall noch Nebelfetzen zu sehen, aber je näher wir dem Urwald kamen, umso blauer wurde der Himmel und umso strahlender die Sonne.
Die Nationalparkgrenze ist ganz eindeutig schon von der Strasse aus zu erkennen - plötzlich wird aus dem Fichten- oder Kiefern"acker" ein richtiger Wald. :-) Uralte gedrehte Kiefern, bemooste Fichten, Steine voller Flechten... und dazwischen immer wieder Moor. In weiser Vorraussicht hatten wir uns mit vier Paar NOKIA-Gummistiefeln von der Station bewaffnet, die nicht nur nötig waren, um durch den immer noch knietiefen, aber sehr nassen Schnee zu waten, sondern erst recht, um durch die moorigen Stellen halbwegs trockenen Fusses zu kommen. Eigentlich ist der ganze Weg mit Balken ausgelegt, aber finde die mal unter 20cm Schneematsch! Wenn man danebentritt, steht man leicht mal bis zum Knie im Wasser oder wird auch schon mal, wie Denise, seinen Schuh los, der lieber im Moor steckenbleiben wollte als mit ihr weiterzumarschieren. Getröstet hat uns aber, dass Elche die gleichen Probleme haben und genausoweit einsinken wie wir, was an ihren Spuren sehr gut zu sehen war... Und Spass hat es ja ausserdem gemacht! :-) Auch wenn die 6,5 km auf diese Weise ganz schön anstrengend waren...
Und warm war es, unglaublich! Selbst der Wind war schon ein richtiger Sommerwind...
Nach einem kurzen Blick auf die Karte fragte ich dann Olaf, ob wir einen anderen Weg zurückfahren wollen. Energisches Kopfschütteln – ”Nö!!!" "Natürlich fahren wir die kleine Strasse zurück, aber ich will wissen, ob du DANACH lieber noch so eine kleine fahren willst statt der E 75." Strahl - "Jaha!!!" Aha!
Und als wir wieder auf der Station waren, mussten wir uns gleich noch eine Stunde vor unserem Haus in die Sonne setzen, so schön war es!
Allerdings ist mein "Programm" für heute noch nicht ganz vorbei - ich gehe dann noch mit Olaf Fallen zumachen für morgen, während Denise uns die Sauna anheizt. Man hat's schon ganz gut mit Besuch, oder? :-)
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Olaf ist ja eigentlich nach Konnevesi gekommen, um sich mit Hannu über seine Doktorarbeit zu unterhalten, aber Hannu hat es vorgezogen, erstmal drei Tage nach Lammi zu fahren. :-\ Weil Olaf sich nun heute nicht mit Hannu treffen kann, hat er beschlossen, er würde sich gerne meine Mäuse und meine Tests angucken und mir helfen. Also habe ich mal wieder einen Sklaven. :-)
Die Ladas mussten heute alle irgendwie zu einer Überprüfung, und ich hatte mich gestern Abend dummerweise nicht eingeschrieben, und so wusste ich heute früh gar nicht so recht, was ich machen soll. Also habe ich gewartet, bis der erste Techniker kam, das war heute Janne, und habe gefragt, mit welchem Auto ich denn nun nach Rinteenmäki fahren soll. "No, Toyotalla!!!" Aha! :-)))
Da draussen ist jetzt voll der Frühling ausgebrochen. In der 7 ist schon fast kein Schnee mehr, und Jyrki hat mir den ersten Huflattich gebracht. :-) Olaf hat mit mir Tests gemacht, und Jyrki hat in der Zwischenzeit das Loch repariert zwischen der 7 und der 8, und dann hat er die ganzen Zäune abgelaufen und noch mehr Löcher entdeckt. :-( Toll!
Abends waren wir noch in Jyväskylä und haben uns mit Jana getroffen und Flughörnchen geguckt. Letzte Woche kam eine mail:
Date: Fri, 14 Apr 2000 09:55:00 +0300
From: Jana Eccard
To: Karen
Subject: fliegende Nagetiere
Erst hielt ich es fuer einen verspaeteten Aprilscherz. Aber nach und nach erschienen auf dem Kampus andere in obligater Verkleidung: Schirmmuetze, Militärhose und Stiefel, Fernglas und starrten in die Luft. Um viertel nach 8 kam dann das erst vorbeigeflogen, und ginge nicht ein Raunen durch die Menge, haett ich es fuer einen Vogel gehalten: ein Flughoernchen!! Es war noch hell genug um es durchs Fernglas zu betrachten, wie es auf die Spitze riesiger Baume klettert, um dann von einem zum anderen zu fliegen!! Der finnische Name beschreibt
es korrekter: Gleitendes Eichhoernchen, aber sie heissen auch fliegende Faeustlinge.
Um halb 9 kamen die Artisten aus der Lueftung des Musikgebäudes geklettert, um ueber unsere Koepfe zu fliegen, dann den naechsten Baum Buechereipark. Dort ein wenig herumgetobt, und dann die Frage, wie kommen sie zurueck, hoch zur Musik? Das geht so: die aller, allerhoechste Birke ist hoeher als die Buecherei (4 Stockwerke!), von dort fliegt man ueber das Dach der Buecherei, dann ueber die Freitreppe, berueht fast den Boden, kriegt dann aber die Kurve und landet in 2-3 m Hoehe am Baumstamm neben der Musik. Nicht schlecht. Kameraverschluesse klickten, und Videokameras wackelten.
Begeistert,
Jana
Und nun hab’ ich sie sogar selbst gesehen! :-)))
Hinterher waren wir noch ein Bierchen trinken, und mitten in der Nacht sind wir dann wieder in Konnevesi eingetrudelt…
Und morgen fahren wir in den Urwald nach Pyhä Häkki!
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Janne ist aus seinem Taxifahrurlaub zurück, und nicht nur, dass ich früh als erstes vermessen wurde und festgestellt wurde, dass ich in der Woche zwei Zentimeter gewachsen wäre *???* - ich kann mich nach der Woche, in der ich fast nicht Finnisch gesprochenhabe, auch fast richtig finnisch unterhalten! :-)
Abends habe ich noch eine halbe Stunde mit Jyrki auf Englisch gequasselt, das ging auch total gut, und dann sind endlich auch die Leute aus Jena gekommen – Olaf und sein Vater sowie unsere finnlandverrückte Denise, und dann konnte ich noch den ganzen Abend deutsch reden.
Was war das alles schön!
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Mir rennen gerade lauter Mäuse im Kopf rum... Ich will gar nicht wissen, wieviel Zeit ich jetzt in so ein paar Sätze über meine Verhaltenstests investiert habe. Und fertig ist das ganze noch lange nicht. Morgen muss ich erstmal wieder Jana anrufen...
Heute Abend habe ich mir aber noch eine Stunde Sonne und frische Luft gegönnt und war auf der anderen Seite vom See. Da gibt es eine Sauna mit einer Bank am Wasser... Und der See ist dort schon fast vollständig wieder aufgetaut, und die Schwäne sind da und irgendwelche schwarzweissen Rallen und nichts weiter als das Rauschen des koskis im Hintergrund...
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